Erfülltes Leben

1. November 2026

Dieses brüchige Leben zwischen Geburt und Tod
kann eine Erfüllung sein, wenn es eine Zwiesprache ist.

Martin Buber

Nur zu gern verdrängen wir die Tatsache, dass unser Leben endlich ist, obwohl das doch ganz gewiss und für alle Menschen gültig ist. Wir werden geboren und eines Tages werden wir sterben. Zwischen dem Tag unserer Geburt und dem Tag unseres Todes entfaltet sich unser ganz persönliches Leben mit seinen Gegebenheiten und Möglichkeiten, mit unseren Fähigkeiten und Begabungen, mit unseren Prägungen und unserer Kreativität. In der Zwiesprache mit dem Leben sind wir eingeladen schöpferisch zu sein und mitzugestalten, so wird es unser einmaliges, einzigartiges und kostbares Leben.
Aber dieses Leben ist auch brüchig und das kann uns ängstigen. Die Frage drängt sich uns auf: kann so ein gefährdetes Leben überhaupt sinnvoll und erfüllt sein? Kann es glücken? Auf diese quälende Frage antwortet Martin Buber mit einem klaren Ja. Je mehr das Leben „Zwiesprache“ ist, um so sinn-erfüllter und bereichernder ist es. Er beschreibt die „Zwiesprache“ als Voraussetzung für ein erfülltes Leben. Das heißt, das Leben spricht mit uns und wir können antworten.

Viktor Frankl sagt, dass gerade die Endlichkeit des Lebens seine Sinnhaftigkeit ausmacht. Weil uns nicht unbegrenzt Lebenszeit zur Verfügung steht, kommt es darauf an, dass wir in jedem Augenblick wachsam und offen sind für den „Sinn-Anruf“ des Lebens, dass wir Zwiesprache halten mit dem Leben. Wir sind eingeladen, die Fragen des Lebens an uns zu hören, darauf zu antworten und zu handeln. Hier, jetzt, heute! So wird unser Leben trotz Brüchigkeit und Endlichkeit sinn-erfüllt sein. Alle verwirklichten Möglichkeiten, alle erfüllten Augenblicke, alle schwierigen Situationen, die wir gemeistert oder tapfer durchgestanden haben, alle Begegnungen und Beziehungen sind die „Ernte unseres Lebens“, gerade weil sie einmalig und vergänglich sind und sich nicht wiederholen. Nichts geht verloren, jeder Augenblick zählt! Im Vergangensein ist alles aufgehoben und bewahrt wie in einer Scheune. Das sollten wir uns hin und wieder bewusst machen und die Dankbarkeit über die „Ernte unseres Lebens“spüren und Erfüllung erleben. Deshalb empfiehlt uns Frankl auf die „vollen Scheunen des Vergangenseins“ zu blicken anstatt über die „Stoppelfelder“ der Vergänglichkeit von Lebens-Möglichkeiten zu klagen. Die Möglichkeiten vergehen, die Erfüllung, die aus der Zwiesprache mit dem Leben erwächst, bleibt.

Jetzt gegen Ende des Jahres bietet sich die Gelegenheit in die vollen Scheunen des gelebten Lebens zu schauen und dankbar die Erfüllung zu erkennen. Nehmen Sie sich Zeit dafür!

Üben Sie die Zwiesprache mit dem Leben!

Werden Sie hellhörig für die Sinn-Anrufe Ihres Lebens und entdecken Sie die Möglichkeiten darauf zu antworten!

Werden Sie kreativ!